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Willkommen in Marienfels im Taunus

Geschichte der Feuerwehr in Marienfels

(Text und Foto von Bernd Bender)










Aufnahme der FFW am 04.09.2005:


Hintere Reihe von links: Jens Redert, Jan Opel, Wolfgang Sommer, Klaus Masur, Manfred Engert, Otmar Engert, Manuel Harlos

Vordere Reihe von links: Bernd Bender, Markus Singhof, Andreas Masur, Kai Neunstöcklin, Dieter Hendorf, Frank Schmidt, Achim Pfeifer

Es fehlten: Theo Hendorf und Horst Wöll



Als Deutschland aus vielen Kleinstaaten, Herzog- und Fürstentümern bestand, gab es kein einheitliches Feuerlöschwesen. Marienfels gehörte damals zum Herzogtum Nassau. Während dieser Zeit betrug die Einwohnerzahl 206 im Jahre 1808 und 287 im Jahre 1840.

Geschichtsbücher berichten von Bränden, die in den Städten ganze Stadtteile in Schutt und Asche legten. Auf dem Lande waren meist Ansiedlungen in ihrer Gesamtheit ein Opfer des Feuers. Auf Grund einer Brandkatastrophe im Jahr 1842 in Hamburg wurde 1861 in Berlin die erste deutsche Berufsfeuerwehr gegründet. Doch schon 20 Jahre vorher, Im Jahr 1841, gründete sich in Meißen am 17. Juli die erste freiwillige Feuerwehr in Deutschland. Das freiwillige Löschwesen entstand in seinen Grundzügen jedoch bereits während den Befreiungskriegen 1813-1815.

Aus der Turnerbewegung des Friedrich Ludwig Jahn ging der Gedanke aus, Lösch- und Rettungsdienste ausschließlich auf freiwilliger Basis zu leisten. Bis 1861 sprach man von einem Feuerlösch- und Rettungskorps. Ab dann kann man die Bezeichnung Feuerwehr in alten Unterlagen finden. In Ulm versammelten sich im Jahr 1854 erstmals Abordnungen von 20 deutschen Feuerlösch- und Rettungskorps, so dass dieses Treffen als der „1. Deutsche Feuerwehrtag“ bezeichnet werden kann.

Der Zeitpunkt der Gründung einer Feuerwehr in Marienfels ist nicht mehr aus alten Unterlagen ersichtlich. Doch findet sich in dem Buch „Marienfels, Geschichte des Dorfes“ ein Eintrag aus dem hervorgeht, dass es bereits im Jahr 1818 ein Spritzenhaus gab. Über die Gerätschaften der damaligen Feuerwehr ist nichts bekannt.

Weitere Aufzeichnungen besagen, dass das erwähnte Spritzenhaus einem Neubau im Jahr 1830 weichen musste. Der Neubau diente der Unterbringung der im Jahr 1832 angeschafften Feuerspritze. Zur Ausrüstung der örtlichen Feuerwehr gehörten neben dieser neuen Feuerspritze noch 28 lederne Feuereimer, 10 Eimer aus Stroh, 4 lange Leitern und 6 Feuerhaken. Für die Leitern und Feuerhaken wurde später ein eigenes Leiterhaus neben dem Hirtenhaus gebaut. Vor der Unterbringung im Leiterhaus waren die Leitern und Feuerhaken im Ort an die Schöffen verteilt worden und bei denen untergebracht.

In Beiträgen des Nassauischen Landeskalenders „Rhein-Lahn-Freund“ wird von Bränden in den Dörfern des Herzogtums berichtet, bei denen nicht selten 20 und mehr Gehöfte ein Raub der Flammen wurden. Die betroffenen Familien standen dann oft mittellos da und die Dorfgemeinschaft führte Sammlungen für die Hilfsbedürftigen durch oder es wurden Sammlungen von übergeordneter Behörde angeordnet, die sich auf den gesamten Verwaltungsbezirk ausdehnten.

Im Jahr 1904 wurde Marienfels durch den Bau einer Wasserleitung auch in der Brandbekämpfung ein gutes Stück voran gebracht. Ab diesem Zeitpunkt konnte die Wasserentnahme aus dem Hydranten erfolgen und erbrachte somit einen Zeitgewinn bei der Brandbekämpfung.

Am 27.01.1911 wurde während den abendlichen Feierlichkeiten zu Kaiser Wilhelms Geburtstag im Saal des Gasthauses Clos plötzlich Feueralarm gegeben. Es brannten das Wohnhaus, die Werkstatt und die Scheune des Schreinermeisters Christian Schmidt. Außer dem Vieh konnte nichts mehr gerettet werden.

Auf Grund von Erzählungen eines Zeitzeugen gilt es als gesichert, dass 1920 die Feuerspritze von einer Pflichtfeuerwehr bedient wurde. Damals war die Feuerwehr eine Pflicht für jeden männlichen Einwohner des Ortes im wehrfähigen Alter. Man diente nicht nur seinem Lande, sondern an erster Stelle seinem Dorf. Es gab keine persönliche Ausrüstung für die Männer der damaligen Pflichtwehr. Die Alarmierung erfolgte durch die Kirchenglocken.

Eine Übung in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sah nach der Erzählung des Zeitzeugen so aus, dass die Feuerspritze am Mühlbach stand, das Wasser aus dem Bach mit Eimern entnommen, in die Spritze eingefüllt und durch Pumpen in die Schlauchleitung gefördert wurde. Diese Aufgabe hatte die so genannte Pumpenmannschaft. Die zweite Mannschaft war die Hydrantenmannschaft. Ihre Aufgabe war das Verlegen der Schlauchleitung. Die dritte Mannschaft war die Leiter- und Hakenmannschaft. Sie hatte die Strahlrohre zu besetzen und so die Flammen zu bekämpfen. Bei dieser Übung wurde bewiesen, dass es mit der damaligen Handdruckspritze schon möglich war, den doch beachtlichen Höhenunterschied zwischen Mühlbachufer und dem Kirchhof zu überwinden und aus den Strahlrohren noch über das Kirchenschiff hinweg zu spritzen.

Leiter- und Hakenmannschaft hatten auch die Aufgabe, mit den Leitern Menschen zu retten oder das Feuer aus einer höheren Position heraus zu bekämpfen. Die Feuerhaken waren lange Stangen, an deren Ende ein handgeschmiedeter Eisenhaken zum Einreißen der Hauswände und Giebeln nach innen zum Feuer hin, angebracht war.

Als am 30.01.1933 die NSDAP in Deutschland an die Regierung kam, wirkte sich dies auch auf das Feuerwehrwesen nachhaltig aus. Das preußische Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 15.12.1933 erhob die Feuerwehren zu einer „Polizeiexekutive besonderer Art“. Dem Gesetz entsprechend wurden alle Feuerwehren dem jeweiligen Ortspolizeiverwalter unterstellt. Man sprach jetzt von der „Feuerlöschpolizei“. Auch wurde nun der Feuerschutzhelm nach dem Modell 16 des Stahlhelms aus dem 1. Weltkrieg eingeführt, der ja noch heute, mit einigen Abänderungen versehen, bei den meisten Feuerwehren getragen wird. Er löste damit den alten Lederhelm mit Metallkamm ab. Erprobt wurde der neue Helm jedoch schon 1929 bei der Berufsfeuerwehr Dortmund.

1936 wurde im ganzen Reich das Feuerlöschwesen vereinheitlicht und 1938 konnte dann das Reichsfeuerlöschgesetz verabschiedet werden. Da ab dieser Zeit dem Innenministerium und dem Reichsluftfahrtministerium der gleiche Minister vorstand, erfolgte die Einbindung der Feuerwehren in den Luftschutz.

Im Jahr 1940 gab es erstmals persönliche Ausrüstungsgegenstände für die Angehörigen der Wehr in Form von Helmen aus Stahlblech, Koppeln, Brandäxten und Leinen. In einer Zuteilaktion des Reichsluftschutzamtes wurden zeitgleich den Wehren verschiedener Gemeinden Motorspritzen zugeteilt. Hierdurch erhielt Marienfels 1944 seine erste Motorspritze (Baujahr 1940). Es war eine DKW TS 8/8 mit 28 PS. Gebaut wurde diese Motorspritze in Chemnitz. Die Farbe war nicht wie heutzutage rot, sondern beige (sandfarben). In gleicher Farbe war auch der Anhänger, ein TSA, in der sie geliefert wurde. Jedoch wurde dieser noch von Hand gezogen. Auch kam durch den Reichsluftschutz die erste Sirene in Form einer Handsirene in unsere Gemeinde.

Zu dem örtlichen Wehrführer war noch ein Luftschutzwart hinzugekommen. Jetzt musste jedes Haus eine Kübelspritze, einen Eimer für Löschwasser und einen Sack mit 5 kg Löschsand für den Ernstfall bereithalten.

Ab 1942 war für das Feuerwehrwesen das „Reichsamt Freiwillige Feuerwehren“ zuständig. Zu seinem Zuständigkeitsbereich zählten die Hoheitssachen der Freiwilligen-, Pflicht- und Werksfeuerwehren. Da die meisten Männer im wehrfähigen Alter zum Kriegsdienst eingezogen waren, rückten an ihre Stelle auch Frauen der Jahrgänge 1924 bis 1926, um Feuerlöschdienst zu leisten.

Im Juni 1942 wurde durch einen Erlass aus dem Reichsluftfahrtministerium bestimmt, dass sämtliche Feuerwehren auf 20% über Friedensstärke aufzustocken sind. Dies traf für alle männlichen Einwohner im Alter von 17 bis 65 Jahren zu. Durch eine Verordnung des Landrates wurden gleichzeitig so genannte Unterkreisführer bestimmt, die die Ausbildung der Pflichtfeuerwehren in kleineren Ortschaften zu überwachen hatten. Der Miehlener Wehrführer Karl Schmidt war für die Ausbildung der Wehren in Marienfels, Berg, Hunzel und Pissighofen zuständig.

Zur besseren Wasserversorgung und als Brandreserve wurden 2 Löschteiche, einer beim Hause Laux, also gleich beim Spritzenhaus, und ein weiterer hinter der Scheune der Familie Wagner / Steeg ausgehoben.

Am 15.10.1942 brach aus ungeklärter Ursache in Stall und Scheune der Familie Willi Debus ein Feuer aus. Ein Übergreifen des Feuers auf die Gebäude des Nachbarn Heinrich Redert war nicht mehr zu verhindern. Mit großer Anstrengung der örtlichen Wehr und der Einwohnerschaft von Marienfels, sowie durch die Unterstützung der Nachbarwehr Miehlen konnten beide Wohnhäuser der betroffenen Familien vor dem Feuer bewahrt werden.

Kleinere Brände, durch den Abwurf von Brandbomben der alliierten Flugzeuge verursacht, wurden von den Hausbewohnern der betroffenen Anwesen selbst gelöscht. Zum Glück blieb Marienfels von größeren Schäden durch Bombenabwurf oder Artilleriebeschuss verschont.

Nach dem Krieg ging der „Dienstbetrieb“ in der Feuerwehr gemäßigt weiter. Handsirene und DKW-Motorspritze blieben weiter im Gebrauch. Viele Männer waren noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückgekehrt. Einige kamen nie zurück. Die Fremdarbeiter und die ausländischen Kriegsgefangenen verließen nach der Kapitulation Deutschlands am 08.05.1945 die Plätze, an denen sie arbeiten mussten. Die Familien, überwiegend bestehend aus Frauen, alten Männern und Kindern, hatten die Arbeiten im Haus und Hof sowie auf den Feldern ohne fremde Hilfe und fast immer ohne Pferde und Maschinen zu verrichten. Die Beschaffung von Nahrungsmitteln für Mensch und Tier stand jetzt im Mittelpunkt des täglichen Lebens. Doch die Dorfgemeinschaft stand immer zusammen für den Fall, dass Feuer Mensch und Tier bedrohte oder Hab und Gut ein Opfer der Flammen werden würde.

Das Landratsamt St. Goarshausen überprüfte mit der Verfügung Nr. 880 vom 21.08.1945 die örtlichen Wehren des Amtsbezirkes. So waren z.B. zu melden:


Aus alten Unterlagen geht hervor, dass z.B. im Jahr 1947 die monatlichen Übungen der Wehr vom Ortsbürgermeister bis zum 25. eines jeden Monats mit Angabe des Tages und der Uhrzeit dem Kreisbrandmeister zu melden waren.

Im Juni 1948 galt es wieder, für den Nächsten da zu sein. Bei Wilhelm Lenz brach in der Scheune ein Brand aus, verursacht vom Holzvergaser eines LKW, der mit Heu beladen werden sollte.

Die neue Landesregierung des Landes Rheinland-Pfalz, der Minister des Innern, veranlasste am 21.08.1948 auf Grund einer Anordnung der Militärregierung vom 03.08.1948 die Überprüfung aller Angehörigen der Feuerwehr hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zu militärischen Verbänden, des SD, der Gestapo, der Abwehr und der Organisationen der Partei. In der Art vorbelastete Personen durften nicht mehr in der Feuerwehr eingesetzt werden. Der Landrat des Kreises St. Goarshausen gab diesen Erlass am 20.09.1948 an die Gemeinden heraus. Später kam jedoch ein Nachtrag zu diesem Erlass, in dem eine Erleichterung für bestimmte Personengruppen von der Militärregierung bekannt gegeben wurde.

In den unruhigen Zeiten der Jahre 1945 bis 1950 ist der Bau des jetzigen Feuerwehrgerätehauses „Am neuen Weg“ als wichtiger Punkt in der Feuerwehrgeschichte unseres Dorfes zu sehen. Das bisherige Spritzenhaus konnte jetzt anderweitig genutzt werden. Um es seiner neuen Bestimmung zuzuführen, wurde das Fachwerkhäuschen von seinem Standort im Hofe der Familie Laux auf Rundhölzer gehoben und auf diesen Rundhölzern mit Hilfe eines LKW zum Nachbarn Alwin Haxel auf der gegenüberliegenden Straßenseite gezogen. Dort wurde es dann als Wirtschaftsgebäude weiter genutzt.

Bis zum Abend des 20.05.1950 hatte die Pflichtfeuerwehr Marienfels Bestand. An diesem Samstag fand sich im Backhaus eine Anzahl von Männern ein, um die erste bekannte Freiwillige Feuerwehr in Marienfels zu gründen. Dies waren:


Weiterhin waren anwesend Ortsbürgermeister Karl Heimann, die Bürger Julius Laux, Wilhelm Kirsch und Erhardt Engert sowie der Kreisbrandinspektor Diedering und der Miehlener Oberbrandmeister Karl Schreiner. Nach der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr wurde Walter Hendorf zum Wehrführer gewählt. Das Amt des Schriftführers und des Kassierers begleitete Walter Kaiser. Die Stelle des Maschinisten nahm Walter Gemmer ein. Alwin Haxel übernahm die Position des Hydrantentruppführers.

Schon am 24. Juni des nächsten Jahres hielt die junge Wehr eine Tanzveranstaltung im Garten der Gastwirtschaft Wiegand ab. Im Kassenbuch sind 6,40 DM als Lustbarkeitssteuer, die an die Gemeinde abzuführen war, ausgewiesen.

Anfang des Jahres 1952 kleidete die Gemeinde ihre Freiwillige Feuerwehr in neue schwarze Ausgehuniformen. 100,00 DM wurden von der Wehr zu dieser Anschaffung beigesteuert, und erstmals zum Gründungsfest der Nachbarwehr Hunzel zeigte sich die Marienfelser Freiwillige Feuerwehr in ihren neuen Uniformen am Sonntag, 20.07.1952.

Durch die im Krieg der Gemeinde zugeteilte DKW-Motorspritze konnte die alte Handdruckspritze außer Dienst gestellt werden. In unserer Dorfchronik wird berichtet, dass 1954 anlässlich einer Beerdigung ein pferdebespannter Leichenwagen, der aus dem alten Pumpenwagen der Feuerwehr hergerichtet war, dem Trauerzug vorausfuhr.

1955 erfolgte der Abriss des Leiterhauses. Als einziges Gerät wurde eine lange, ausziehbare Holzleiter mit ins neue Gerätehaus übernommen. Die Feuerhaken wurden vernichtet. Dies war auch im Sinne der Brandversicherung, da durch zu häufiges und unnötiges einreißen von Wänden oftmals Mehrkosten auf die Versicherung zukamen.

Die nächste Anschaffung für die Wehr war ein TSA. Es war ein Anhänger der Firma Magirus, Baujahr 1956. Er wurde von einer Wehr in Hessen gebraucht gekauft und bei der Marienfelser Wehr etwa im Jahr 1962 in Betrieb genommen. Es muss auch im Jahr 1962 gewesen sein, als auf dem Dach des Schulgebäudes eine Sirene angebracht wurde. Sie diente dem zivilen Bevölkerungsschutz und wurde vom Warnamt IV in Bad Kreuznach bedient. So konnte z.B. Luftalarm, Alarm für den Katastrophenfall oder der ABC-Alarm zentral ausgelöst werden. Erst später, etwa ab 1966, wurde die Alarmierung für die Feuerwehr dazu geschaltet. Ab jetzt konnte der Alarm für die Wehr durch Drücken eines Alarmknopfes von jedermann ausgelöst werden. Dieser befand sich, durch eine Glasscheibe gesichert, in einem kleinen Kästchen an der Außenwand des Schulgebäudes. Für Übungen hatte der Wehrführer die Möglichkeit, mittels eines Schlüssels den Alarm im Innern des Schulgebäudes auszulösen. Diese Art der Alarmierung zu Übungen der Wehr wurde später jedoch wieder abgeschafft.

1964 wurde die zweite Motorspritze für die Wehr Marienfels beschafft. Es handelte sich um eine TS 8/8 der Firma Magirus mit VW-Motor. Zur Einweisung und Bedienung wurden die beiden Kameraden Paul Sommer und Walter Bender bei der Fa. Schmidt in Neuwied geschult.

Der allgemeine Dienstbetrieb ging immer weiter. Übungen wurden abgehalten, damit die Männer mit dem Gerät vertraut blieben. Schadhafte Ausrüstungsgegenstände wurden repariert oder durch neue ersetzt. Für die Männer wurden schwarze Arbeitsanzüge beschafft und die Helme wurden nach und nach durch neuere Exemplare ergänzt, während die Farbe jedoch auch weiterhin schwarz blieb. Eine besondere Freude war es für die Wehrmänner, wenn die alte DKW-Spritze wieder einmal zu einem Probebetrieb „angeworfen“ wurde. Übrigens: sie läuft auch heute noch und wird im alten TSA Magirus in der ehemaligen Dreschhalle aufbewahrt.

Im Mai des Jahres 1971 galt es erstmals, einen Hochwassereinsatz zu fahren und in Miehlen zu helfen, als durch starke Regenfälle der Mühlbach über die Ufer trat und einen Teil unserer Nachbargemeinde unter Wasser setzte.

Eine ganz neue Situation stellte sich der Wehr ab dem 01.01.1975. Im Rahmen des Aufgaben-Überganges auf Grund der „Landesverordnung über den Übergang von Aufgaben und Einrichtungen der Ortsgemeinden auf die Verbandsgemeinden vom 02.09.1974“ wurde die Trägerschaft und Organisation der FF Marienfels der Verbandsgemeinde Nastätten übertragen. Es wurde an Ausrüstung übergeben:


Vor Ort verblieb dem Wehrführer die Entscheidungsbefugnis über die Wehr. Zuweisungen von Ausrüstungsgegenständen erfolgten ab sofort über die Verbandsgemeinde. Gleichzeitig wurde das Amt eines Verbandsgemeindewehrleiters als Bindeglied zwischen Verwaltung und den örtlichen Wehren sowie als Fachberater der Verwaltung eingeführt. Als 1. Wehrleiter der VG Nastätten wurde der Hauptbrandmeister und Wehrführer Werner Ludwig aus Miehlen gewählt. Gleichzeitig wurden in der VG Nastätten zwei Stützpunkte errichtet, Stützpunkt Nord Miehlen mit 17 Ortswehren und der Stützpunkt Süd Nastätten mit 14 Ortswehren. Diese Einteilung hat sich bis heute erhalten und bewährt und die Schlagkraft der Feuerwehren um ein Vielfaches erhöht.

Personelle Veränderungen an der Spitze der Wehr gab es am 18.02.1975. Der bisherige Wehrführer Walter Hendorf gab die Führung der Wehr nach 25 Jahren an Lothar Gemmer ab, blieb aber stellvertretender Wehrführer.

Retten, bergen und schützen hieß es für Lothar Gemmer und seine Kameraden am 4. Juli des gleichen Jahres. Wieder gab es Hochwasser am Mühlbach. Zunächst musste in der eigenen Gemeinde der Keller von Christian Haxel vom eingedrungenen Wasser befreit werden. Anschließend ging es weiter nach Miehlen, um der dortigen Bevölkerung zu helfen. Der Schwerpunkt des Einsatzes lag im Auspumpen des Kellers der Nassauischen Sparkasse, die in unmittelbarer Nähe des Mühlbaches ihre Filiale hat.

Anfang der 80er Jahre wurde die persönliche Ausrüstung weiter verbessert. Nach und nach rüstete die Verbandsgemeinde ihre Wehrmänner mit neuen Jacken in der Farbe Orange und blauen Hosen aus. Das Material war viel strapazierfähiger als das der alten Anzüge und durch die Farbe der Jacken mit der leuchtenden Aufschrift „Feuerwehr“, trugen sie wesentlich zur verbesserten Sicherheit der Wehrmänner bei. Zum Ende der 80er Jahre wurden dann noch die schwarzen Helme durch Helme mit heller, reflektierender Farbe ersetzt.

Im Jahr 1990 feierte unsere Ortsgemeinde ihr 1075-jähriges Bestehen. Einer der Höhepunkte dieses Festes war der Umzug der Bürger zusammen mit den Vereinen durch das gesamte Dorf. An ihm nahm natürlich auch die Freiwillige Feuerwehr teil. Auf einem Wagen wurde die alte DKW-Motorspritze mitgeführt und auf dem Wagen, sowie auch zu Fuß verbreiteten die Feuerwehrmänner viel Stimmung und gute Laune.

Am 11.09.1991 nachmittags wurde die Wehr durch Sirenenalarm alarmiert. Im Hause Schmelzeisen in der Römerstraße stand der Dachstuhl in Flammen. Die Brandbekämpfung durch die Ortswehr wurde unter der Vornahme von zwei C-Rohren und Wasserentnahme aus dem Unterflurhydranten eingeleitet. Gleichzeitig wurde eine B-Leitung an den Mühlbach verlegt, an der die Stützpunktwehr Miehlen sofort nach Eintreffen ihre weitere Wasserversorgung aufbauen konnte. Auch die Feuerwehr Nastätten war noch zum Einsatz gekommen und konnte mit Hilfe der AL 18 -Leiter gute Dienste leisten. Die Einsatzleitung stand unter dem Kommando von VG-Wehrleiter Hubert Schmidt und dessen Stellvertreter Ewald Groß.

Im Laufe der Jahre rüstete die Verbandsgemeinde Nastätten unsere Wehr weiter aus. Es gab neue Schlauchbrücken, Warnwesten und Atemschutzmasken. Alte Einsatzkleidung wurde durch verbesserte Kleidung ausgetauscht. Auch die technische Betreuung der Motorpumpe, sowie die Instandsetzung schadhafter Ausrüstungsgegenstände war stets gewährleistet.

Am Morgen des 29.12.1996 wurde die Feuerwehr wieder gerufen, als in der Scheune der Familie Sommer in der Mühlbachstraße ein Schwelbrand zu löschen war. Es war ein sehr kalter Wintertag und die Außentemperatur lag bei -150 bis -200. Dies erschwerte die Arbeiten sehr, da das Löschwasser im Hof sofort gefror und eine große Eisfläche bildete. Das Standrohr am Hydrant wurde an der Verschraubung dick mit Salz bestreut, damit ein Abbau nach Beendigung des Einsatzes überhaupt möglich war.

Die Nachbarschaftshilfe zwischen Ehr und Marienfels wurde im Oktober 1997 erneut geprobt. Der Wehrleiter der Verbandsgemeinde löste eine Gemeinschaftsübung für beide Wehren aus, die in den Abendstunden in Ehr stattfand. Zum Abschluss trafen sich die Wehrmänner im Gerätehaus in Ehr um „Manöverkritik“ zu üben. Schon einen Monat später, es war der 06.11.1997, wurde Feueralarm durch die Sirene in Marienfels ausgelöst. Die Scheune der ehemaligen Marienfelser Familie Clos in der Mühlbachstraße stand in Flammen. Gemeinsam mit den Kameraden der Miehlener Wehr konnte ein Übergreifen des Feuers auf das Wohnhaus, auf weitere Wirtschaftsgebäude und auf Nachbargebäude verhindert werden. Die Scheune war jedoch nicht mehr zu retten und ein Geräteschuppen des Nachbarn Bauer wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die ganze Nacht hindurch und vereinzelt noch am folgenden Tag mussten immer wieder aufflammende Brandnester durch die Brandwache bekämpft werden.

Im Frühjahr 1998 wurden aus der Kameradschaftskasse Arbeitspullover im Wert von rd. 1.100 DM erworben, welche von der Verbandsgemeinde nicht übernommen werden konnten. Da die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr in vielfältiger Weise auch für die Ortsgemeinde Arbeiten durchführen, wurde dort wegen einer Bezuschussung nachgefragt. Groß war die Freude der Wehrmänner, als der Gemeinderat dem Vorschlag von Ortsbürgermeister Harlos folgte, die Kosten der Anschaffung nicht nur zu bezuschussen, sondern vollständig zu übernehmen.

Da bekannt war, dass Wehrführer Lothar Gemmer im kommenden Jahr aus Altersgründen (60 Jahre) aus dem aktiven Dienst Ausscheiden musste, galt es am 05.10.1998 für die Wehr aus Marienfels, einen großen Schritt in Richtung Zukunft zu unternehmen. Während einer Dienstversammlung der Wehrkameraden wurde unter der Versammlungsleitung von Ortsbürgermeister Axel Harlos über die Nachfolge des Wehrführers abgestimmt. Als neuer Wehrführer wurde aus der Versammlung der Kamerad Andreas Masur gewählt.

Als dritte Motorspritze wurde am 05.10.1998 von der Verbandsgemeinde eine neue TS 8/8 der Firma Rosenbauer an die Freiwillige Feuerwehr Marienfels übergeben. Diese Motorspritze wird von einem BMW-Motor angetrieben und war 1998 die modernste TS 8/8 in der Verbandsgemeinde.

Nachdem im zurückliegenden Jahr die neue TS 8/8 nach Marienfels kam, folgte nun am 16.05.1999 der gebrauchte TSA von der Feuerwehr Oberbachheim. Der bisherige TSA wurde aus Altersgründen „in Rente geschickt“. Als Zeichen der Dankbarkeit für den jahrelangen ehrenamtlichen Einsatz zum Wohle der Allgemeinheit hatten am 21.05.1999 die Ortsgemeinde Marienfels, vertreten durch Bürgermeister Axel Harlos und die Mitglieder des Gemeinderates, zusammen mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zu einer Abschiedsfeier auf örtlicher Ebene für den scheidenden Wehrführer Lothar Gemmer in das Gasthaus „Zum Mühlbachtal“ eingeladen. Als Gäste waren die Wehrführer und stellvertretenden Wehrführer der Nachbarwehren Berg, Ehr, Hainau, Hunzel und Miehlen anwesend. Zu den weiteren Gästen zählten Bürgermeister Raimund Friesenhahn von der Verbandsgemeinde Nastätten, Verbandsgemeindewehrleiter Gerd Grabitzke und sein Stellvertreter Stefan Wöll. Zusammen mit der Beendigung der ehrenamtlichen Tätigkeit wurde gleichzeitig auch der 60. Geburtstag von Lothar Gemmer gefeiert. Die Wehr überreichte durch den kommenden Wehrführer Andreas Masur eine Wanduhr mit Gravur. Als Zugabe konnte sich Lothar Gemmer noch über ein Fotobuch mit Bildern aus der Zeit, als er noch aktiv als Wehrführer an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Marienfels stand, erfreuen. Am Sonntag, 20.06.1999, wurde Adolf Dreßler aus Miehlen zum neuen bzw. vorübergehenden Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Marienfels verpflichtet. Adolf Dreßler wird dieses Amt nur so lange ausüben, bis der Marienfelser Andreas Masur die erforderlichen Kenntnisse durch Schulungen erworben hat, um anschließend die Wehrführung in Marienfels zu übernehmen. Adolf Dreßler übernahm die Wehr von seinem Vorgänger mit einer gemeldeten Personalstärke von 17 Mann. Im Anschluss an die erste Übung unter der neuen Wehrführung wurden die weiteren Vorhaben der Wehr, das 50-jährige Jubiläum und die Neugestaltung des Gerätehauses, sowie der zukünftige Dienstbetrieb besprochen. Der Verbandsgemeindefeuerwehrtag in Bogel am 15.08.1999 sollte für die Marienfelser Wehr ein besonderer Anlass werden. Von 15 aktiven Wehrmännern wurden 10 Mann zum Oberfeuerwehrmann befördert. Weiterhin wurden Horst Wöll und Bernd Bender für 25-jährigen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen in Silber ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erhielten in früheren Jahren schon die Kameraden Dieter Hendorf, Theo Hendorf, Wolfgang Sommer, Manfred Engert, Ottmar Engert und Dieter Redert. An diesem Tag beendete auch Lothar Gemmer offiziell seinen Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr der Verbandsgemeinde Nastätten. Bürgermeister Raimund Friesenhahn bedankte sich bei Lothar Gemmer für die zum Wohl der Allgemeinheit geleistete Arbeit und überreichte ihm die Entlassungsurkunde.

Das Jahr 1999 brachte nochmals eine Verbesserung in der persönlichen Ausrüstung der Wehrmänner. Die Wehr in Marienfels wurde durch die Zuteilung von 7 Sympatex-Jacken mit dem Besten beliefert, was es zur Zeit gab. Unter dem neuen Wehrführer Adolf Dreßler begannen in 1999 die Renovierungsarbeiten am Gerätehaus. Bis auf wenige Ausnahmen sollen die Arbeiten in Eigenleistung von den Wehrmännern erbracht werden, das Tor jedoch wird von der Verbandsgemeinde durch ein neues Segment-Rolltor ersetzt.

Das neue Jahr 2000 stand bisher ganz im Zeichen der Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr und den Bau- bzw. Renovierungsarbeiten am Gerätehaus. Mit der Bitte um freiwillige Unterstützung bei der Durchführung der nun anstehenden Festveranstaltung im Mai wandte sich die Feuerwehr in Form eines Rundschreibens an alle Haushaltungen der Gemeinde. Eine große Zahl an bereitwilligen Helfern aus der Bevölkerung hatte sich gemeldet, so dass die Veranstaltung im geplanten Rahmen durchgeführt werden konnte. Neben der Jubiläumsveranstaltung wurde im Jahr 2000 ein weiterer Meilenstein gesetzt. Die bereits seit geraumer Zeit bestehende Idee, einen Förderverein zu gründen, wurde sicherlich durch die Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung während des Jubiläumsfestes zusätzlich untermauert. Einigen Vorbereitungsaufgaben folgte letztendlich am 29.12.2000 die Gründungsversammlung, an der neben den aktiven Wehrmännern zusätzlich 1 Frau und 14 Männern aus der Dorfbevölkerung teilnahmen. Die Wahl des ersten 1. Vorsitzenden fiel auf Manfred Engert. 2. Vorsitzender wurde Andreas Masur. Bernd Bender übernahm das Amt des Schriftführers und Dieter Hendorf wurde das Amt des Kassierers übertragen.

Am 20.01.2001 musste der ehemalige Feuerwehrkamerad und von 1950 bis 1975 tätige Wehrführer Walter Hendorf beigesetzt werden, nachdem dieser plötzlich und unverhofft verstorben war. Dass die Freiwillige Feuerwehr die uniformierten Sargträger stellte, war eine Selbstverständlichkeit und Ehrensache.

Am 25.02.2002 war das Dorfgemeinschaftshaus Marienfels Austragungsort der Wehrführerdienstbesprechung der Verbandsgemeinde Nastätten. Am 17.08.2002 fand erstmals eine Überprüfung der Marienfelser Sirene mittels Sirenenfunksteuerung statt. Der stellvertretende Wehrführer und 1. Vorsitzende des Fördervereins Manfred Engert erhielt am 27.11.2002 aus den Händen von Landrat Kurt Schmidt das Feuerwehrehrenzeichen in Gold für 35-jährige ehrenamtliche Tätigkeit in der Freiwilligen Feuerwehr überreicht.

Am 29.06.2003 fand der Verbandsgemeindefeuerwehrtag in Bettendorf statt. Hier wurde der Feuerwehrkamerad Klaus Masur für 25-jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr mit dem silbernen Feuerwehrehrenzeichen ausgezeichnet. Eine außergewöhnliche Aktion aller Wehren der Verbandsgemeinde Nastätten fand am Sonntag, 14.09.2003, in Nastätten statt. Hier war zu einer Bildaufnahme aller Feuerwehrfahrzeuge der Verbandsgemeinde vor dem Gerätehaus der Einheit Nastätten aufgerufen worden. Die FFW Marienfels war mit 8 Kameraden, die den TSA mitführten, mit dabei.

Am 29.11.2004 stand eine weitere Ehrung an. Der Feuerwehrkamerad Otmar Engert erhielt nach 35-jähriger Wehrzugehörigkeit das goldene Feuerwehrehrenzeichen von Landrat Günter Kern ausgehändigt.

Der Feuerwehrkamerad Achim Pfeifer erhielt anlässlich des Verbandsgemeindefeuerwehrtages in Miehlen am 04.09.2005 für 25-jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr das silberne Feuerwehrehrenzeichen.

Wenn man die bisher bekannte, fast 200-jährige Geschichte der Feuerwehr Marienfels liest, so stellt man fest, dass der Leitspruch der Feuerwehr „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ immer dem Handeln und der Einstellung der Wehrmänner vorangeht. Für den Nächsten da zu sein, zu helfen in der Not und in Bedrängnis, und dies zu jeder Zeit, ist eine Selbstverständlichkeit. Es sollte hierbei nicht vergessen werden, dass die Mitglieder der Feuerwehr oftmals gefährlichen Situationen gegenüberstehen, in denen ihnen Gefahren an Leib oder Leben drohen. Mögen alle Einsätze auch in Zukunft stets ein gutes Ende finden und die Freiwillige Feuerwehr immer von der Sympathie und Wertschätzung der Bevölkerung getragen werden.

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